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Hauptschule - Trennung der Schüler zu früh
10.05.2007
 
Südwestdeutsche Ztg.

Die Hauptschule

Von Nedele

In Baden-Württemberg gibt es 1200 Hauptschulen. Damit stellen sie vor Realschulen (427) und Gymnasien (376) die größte Gruppe der weiterführenden Schulen, liegen jedoch bei den Schülerzahlen mit 194 400 an letzter Stelle. Eine ¸¸Grundschulempfehlung" zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres der vierten Klasse legt relativ verbindlich fest, welche weiterführende Schule ein Kind besuchen kann. Bis zu einem Notenschnitt von 2,5 in den Fächern Deutsch und Mathematik kann das Kind auf ein Gymnasium. Ein Notenschnitt zwischen 2,6 und 3,0 in den Hauptfächern berechtigt zum Besuch der Realschule. Von einem Notenschnitt von 3,1 an ist nur noch der Hauptschulbesuch möglich.

Fast 29 Prozent aller Viertklässler im Südwesten wechseln auf die Hauptschule, 32 Prozent auf die Realschule und 38 Prozent auf das Gymnasium. Die Hauptschule hat laut Statistischem Landesamt mit 25,2 Prozent die bei weitem größte Gruppe von Schülern ausländischer Herkunft, gefolgt von der Realschule mit 7,8 und dem Gymnasium mit 4,3 Prozent. lsw
Stuttgarter Zeitung-Stadtausgabe 10.Mai07 S.6 Ausgabe Nr. 7


Stuttgart

Rektoren: Trennung der Schüler zu früh
Auch Stuttgarter Hauptschulleiter halten dreigliedriges Schulsystem für nicht mehr zeitgemäß

Den Protest von knapp hundert Hauptschulrektoren aus Oberschwaben gegen die Dreigliedrigkeit des Schulsystems teilen auch Schulleiter aus Stuttgart. Auch sie fordern, Kinder länger zusammen zu lassen und nicht schon nach der vierten Klasse aufzuteilen.

Von Inge Jacobs

¸¸Jetzt kocht"s im Topf", meint Jochen Schmidt-Rüdt, der Leiter der Heusteigschule, zum Brandbrief der oberschwäbischen Kollegen an die Landesregierung. Diese fordern ein integriertes Schulsystem, um die Chancen für die Hauptschüler zu verbessern (die StZ berichtete). Das sehen auch Stuttgarter Hauptschulrektoren so. ¸¸Die Eltern wollen ihre Kinder nicht mehr auf die Hauptschule geben", berichtet Schmidt-Rüdt.

Die Gründe dafür kann der Stuttgarter Rektor klar benennen. Denn ein Hauptschulabschluss sei wenig wert, wenn die Absolventen kaum eine Chance auf eine Lehrstelle hätten. Er führt dies auch auf die zu frühe Trennung der Kinder zurück, denn dadurch fehlten der Hauptschule die leistungsstärkeren Schüler als Zugpferde für die schwächeren. ¸¸Seit Pisa wissen wir, dass unser dreigliedriges Schulsystem nicht mehr das Nonplusultra ist", argumentiert Schmidt-Rüdt. Hinzu komme, dass den Hauptschulen immer weniger Personalmittel bewilligt würden, um schwache Kinder zu fördern. Konkret sei im nächsten Schuljahr die Beschäftigung zweier Lehrbeauftragter nicht mehr gesichert, sodass an der Heusteigschule ein Trommelprojekt und ein Sportprojekt gefährdet seien. ¸¸Das ganze Profil, das wir uns erarbeitet haben, ist somit in Frage gestellt."

Auch Hans Gögelein, der geschäftsführende Schulleiter der Grund- und Hauptschulen, hält den Vorstoß der Oberschwaben ¸¸für berechtigt". Als Problem sieht er nicht nur die zu frühe Trennung zehnjähriger Kinder, sondern auch, wie man schwächere Schüler in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt bringen könne. Erst wenn dies gelinge, finde die Hauptschule wieder Anerkennung in der Gesellschaft. Dieses Problem könne zwar auch ein integriertes Schulsystem nicht allein lösen, es könne jedoch gut sein für die Motivation der Kinder. Als wichtigen ersten Schritt sieht Gögelein eine engere Kooperation der Haupt- und der Realschulen. ¸¸Danach lassen sich auch weitere Schritte in diese Richtung nicht aufhalten."

Ralf Hermann, der Leiter der Schillerschule, hält eine Trennung der Schüler nach der sechsten Klasse für sinnvoller - ¸¸zusammen mit der Überlegung, wie man dann Haupt- und Realschule besser miteinander verbinden kann". Die fehlende Akzeptanz der Hauptschule führt er auch auf die schlechtere Bezahlung der Lehrer und die unzureichende Ausstattung mit Personal zurück. Eine rein äußerliche Umetikettierung der Schulart hält er für ¸¸Blödsinn", solange die Rahmenbedingungen nicht ausreichten.

Stuttgarter Zeitung-Stadtausgabe 10.Mai07 S.23 Ausgabe Nr. 107



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