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Jugendkriminalität in Deutschland nimmt ab
03.09.2007
 
Die Welt, 3. September 2007
Trend
Jugendkriminalität in Deutschland nimmt ab

Der Nachwuchs in Deutschland ist besser als sein Ruf: Eine Studie belegt, dass Heranwachsende weniger aggessiv sind als bisher angenommen. Auch das Voruteil, dass ausländische Schüler häufiger straffällig werden, wurde nicht bestätigt.

Die Jugendkriminalität ist seit Ende der 90er-Jahre zurückgegangen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern der Universitäten Münster und Bielefeld. Die Ergebnisse widersprechen Vorurteilen wie zum Beispiel einer Zunahme an Körperverlet- zungen. Auch die Zahl der schweren Eigentums- delikte und Fälle von Raub ist zurückgegangen. Die Wissenschaftler hatten einen Jahrgang Münsteraner Schüler, insgesamt 1900 Jugendliche, von 2000 bis 2003 jährlich einmal befragt. In den vier Befragun- gen gaben die Jugendlichen an, dass die Zahl von Körperverletzungen gesunken sei – ein Widerspruch zur von der Polizei festgestellten Steigerung.
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Die Autoren erklären den Unterschied damit, dass Körperverletzungen heute häufiger als früher angezeigt würden. Außerdem erfährt die Polizei durch verstärkte Präventionsarbeit mehr und es ist mittlerweile bereits der Versuch einer Körperverlet- zung strafbar. Ebenfalls nicht bestätigen konnten die Forscher besondere Probleme am „Tatort Schule“. Fast alle der befragten 13- bis 16-jährigen Schüler fühlten sich der Untersuchung zufolge auf dem Schulweg, in der Schule und auf dem Schulhof sicher. Nur ein Siebtel der in Münster befragten Täter hätten die Schule als Tatort angegeben.
Die Studie widerspricht auch dem Vorurteil, dass vor allem jugendliche Migranten straffällig würden. Allerdings sind laut den Autoren ausländische Jugendliche häufiger gewalttätig. Insgesamt ist in den vergangenen Jahren die Kriminalität dieser Gruppe zurückgegangen. In der Polizeistatistik und in Gefängnissen ist ihr Anteil jedoch überpropor- tional hoch, was auf ein größeres Anzeige- und Verurteilungsrisiko schließen lässt. Problematisch ist, dass nicht kürzlich eingewanderte, sondern in Deutschland geborene oder schon länger hier lebende Migrantenjugendliche auffälliger seien – ein Zeichen, dass man den richtigen Dreh bei der Inte- gration noch nicht gefunden hat.
Eine Gewalt und Kriminalität fördernde Wirkung von Gewaltspielen und -filmen konnten die Forscher nur bedingt feststellen. Die meisten Spieler können sicher zwischen realen und virtuellen Welten unterscheiden. Lediglich bei übertrieben streng oder gewaltsam erzogenen Jugendlichen könnten sich Gewaltmedien negativer auswirken.
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Mädchen sind laut der Studie deutlich weniger gewalttätig als Jungen. Außerdem sind weibliche Intensivtäterinnen drei bis sechs Mal seltener als ihre männlichen Pendants. Als problematisch bezeichneten die Forscher den Alkohol- und Drogenkonsum der Jugendlichen: Er geht oft mit erhöhter Gewalttätigkeit einher. Ein Drittel der 16-Jährigen gab an, mehr als einmal pro Monat betrunken zu sein. Jeder Fünfte sagte, häufiger als fünf Mal pro Jahr Marihuana oder Haschisch zu nehmen.



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