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Mehr Lehrer einstellen
30.08.2007
 
Südwestdeutsche Ztg.

Grüne: 2500 Lehrer zusätzlich einstellen
Ein Sonderfonds soll in den nächsten Jahren Engpass in der Unterrichtsversorgung entschärfen

STUTTGART. Um die Unterrichtsversorgung zu verbessern, schlagen die Grünen vor, 2500 Lehrer zusätzlich einzustellen. Finanziert werden soll dies durch einen Sonderfonds von 125 Millionen Euro. In vier Jahren würden die Schülerzahlen ohnehin zurückgehen.

Von Susanne Veil

Im kommenden Schuljahr wird sich die Unterrichts- versorgung an den baden-württembergischen Schulen stark verschlechtern, sagt Renate Rastätter voraus. Die schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag kritisierte gestern die Kultuspolitik der Landesregierung als eine ¸¸Mangelverwaltung", die auf dem ¸¸Verschiebebahnhof" die Übersicht ver- loren habe. Man habe den Ausbau der Ganztags- schule in Angriff genommen und neue Bildungs- projekte eingeführt, ohne dafür zusätzliche Lehrer einzustellen. Zudem seien weiterhin Stellen gesperrt. In bestimmten Fächern herrsche ein Lehrermangel.

Rastätter stellte die Vorschläge ihrer Fraktion zu einer Verbesserung der Situation vor. Hauptpunkt ist die Schaffung von 2500 zusätzlichen Lehrer- stellen. Dazu müsse für den Zeitraum bis 2012 ein Sonderfonds von 125 Millionen Euro aufgelegt werden. Dieser ¸¸Bildungspakt" könne schrittweise refinanziert werden, wenn von 2011 an aufgrund des Bevölkerungswandels die Schülerzahlen drastisch zurückgehen werden, sagte Rastätter.

In diesem Zusammenhang bekräftigte sie eine alte Forderung der Grünen, Lehrer künftig nicht mehr als Beamte einzustellen, um dem Staatshaushalt später die Pensionen zu ersparen. Um Lehrer flexibler in allen Schularten einsetzen zu können, schlagen die Grünen eine einheitliche Lehramts- ausbildung für den Unterricht in den Klassen fünf bis zehn, die so genannte Sekundarstufe I, vor. Eine am Alter der Schüler orientierte Ausbildung werde dem Anspruch an eine qualifizierte Förderung besser gerecht als eine Ausbildung nach Schularten, sagte Rastätter.

Gerade die jetzt nicht eingestellten Absolventen des Studiengangs für die Hauptschulen hätten schmerz- haft erfahren müssen, dass sie für eine nicht mehr zukunftsfähige Schulart ausgebildet worden seien.

Als dritten Punkt zur Verbesserung der Unterrichts- versorgung schlagen die Grünen ein umfassendes Programm zur berufsbegleitenden Nachqualifizier- ung von Lehrern in den Mangelfächern Mathematik und Naturwissenschaften vor. Rastätter nannte als Beispiel den Chemielehrer, der sich zusätzlich für den Physikunterricht qualifiziere. Für die Zeit der Weiterbildung - etwa durch ein Fernstudium - müsse die Unterrichtsverpflichtung reduziert werden können.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschafte (GEW) nannte den vorgeschlagenen Bildungspakt der Grünen einen ¸¸richtigen Weg für bessere Schulen". Die Diskussion über den Fachkräfte- mangel zeige, dass Investitionen in die Bildung nicht aufgeschoben werden dürften, ¸¸auch wenn das Ziel der Nettoneuverschuldung erst etwas später erreicht wird", sagte der GEW-Landesvor- sitzende Rainer Dahlem.

Der Philologenverband forderte, dass ein Lehrer- mangel in einzelnen Fächern ¸¸schnell und unbüro- kratisch" durch die Einstellung vonSeiteneinsteigern beseitigt werde. Das Kultusministerium warf den Grünen eine ¸¸Verunsicherungstaktik" und die Benutzung von lediglich vorläufigen Zahlen vor. Das Ministerium werde Mitte kommender Woche eine korrekte Bilanz der Lehrereinstellung vorlegen, hieß es.

VEIL
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung - Stadtausgabe, Donnerstag,30. August 2007 Seite 5
Ausgabe: Nr.200


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