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Immer mehr Menschen brauchen Hilfe
07.09.2007
 
Südwestdeutsche Ztg.

Immer mehr Menschen brauchen Hilfe
Viel Arbeit für die Sozialpsychiatrischen Dienste im Land - ¸¸Die Probleme spitzen sich zu"

MANNHEIM. Rund 21 000 Menschen in Baden- Württemberg haben im vergangenen Jahr die Hilfe der Sozialpsychiatrischen Dienste in den Städten und Kreisen in Anspruch genommen. Die Zahl derer, die eine Langzeitbetreuung brauchen, ist gewachsen.

Von Johanna Eberhardt

Die Zahl der Menschen mit schweren psychiatri- schen Störungen und Erkrankungen nimmt nach Untersuchungen von Versicherungen und Experten seit einigen Jahren zu. ¸¸Umso wichtiger ist es für uns zu vermitteln, dass es auch Angebote und Hilfen gibt", erklärte Eva Weiser, die Geschäfts- führerin der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg bei der Vorstellung des Jahresberichts der Sozialpsychiatrischen Dienste im Land in Mannheim.

Die Dienste - insgesamt 68 an der Zahl - wurden vor 20 Jahren flächendeckend im ganzen Land eingeführt, um die gemeindenahe Versorgung schwer chronisch psychisch Kranker zu verbessern. Die Mitarbeiter betreuen vorwiegend Menschen nach einer stationären Behandlung. Ziel der Arbeit ist die Nachsorge ebenso wie die Vorbeugung vor Rückfällen und die Krisenintervention, erläuterte Manfred Schöniger, vom Ausschuss Psychiatrie und Behindertenhilfe des Diakonischen Werks Baden in Mannheim.

Dafür bieten die Sozialpsychiatrischen Dienste eine Grundversorgung in Form von Beratung in Einzel- und Familiengesprächen, sie stehen als Ansprech- partner für Angehörige, Nachbarn und Arbeitgeber zur Verfügung, bieten Gruppenangebote und machen bei Bedarf auch Hausbesuche. Darüber hinaus vermitteln sie weitere ambulante Hilfen, etwa eine von der Krankenkasse bezahlte Sozio- therapie; 25 der Dienste haben auch betreutes Wohnen im Angebot.

Die Inanspruchnahme der Stellen, die vom Land und den Kommunen sowie kirchlichen und freien Trägern finanziert werden, ist kostenlos. ¸¸Man braucht keine Anträge zu stellen und keinen Versicherungsnachweis. Wer will, muss nicht einmal seinen Namen sagen", erklärt Manfred Schöniger. Immer mehr Bedarf bestehe an langfristiger Begleitung. 25 Prozent der Betreuungen seien 2006 aber auch erfolgreich beendet worden.

Die meisten Klienten (37 Prozent) litten unter Schizophrenie, 21 Prozent hatten eine affektive Psychose, 9,1 Prozent eine Persönlichkeitsstörung. Erstmals nach einer längeren Pause haben die Dienste 2006 auch soziografische Daten erhoben. Dabei zeigte sich, dass 59 Prozent der Betreuten in der Grundversorgung weiblich sind. Dies entspreche der Verteilung, wie man sie auch aus anderen Studien kenne, erklärte Schöniger. Ein besonderes Risiko zu erkranken hätten ledige Frauen um die 50 - besonders solche aus helfenden Berufen und Telefonistinnen.

Nur 15,5 Prozent der Klienten der Dienste sind verheiratet, nur elf Prozent können ihren Lebens- unterhalt durch eigene Berufstätigkeit bestreiten. 30 Prozent verfügten über eine Erwerbs- oder Berufs- unfähigkeitsrente. 19 Prozent erhalten Arbeitslosen- geld - überwiegend Alg II. Die Erhebung zeige, dass psychische Erkrankungen anders als körperliche Krankheiten ein erhebliches Risiko für Arbeitslosig- keit und Verarmung darstellten. Die Chance, wieder Arbeit zu finden, sei gering, erklärte Schöniger.

¸¸Wir haben einen starken Anstieg bei Klienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen und mit mehreren Erkrankungen - etwa einer psychischen und einer körperlichen oder einer psychischen und einer Suchtkrankheit", erklärte Helene Aumüller, Leiterin des Mannheimer Dienstes. Sie werde inzwischen immer öfter von Behörden oder Wohn- gesellschaften auf Menschen hingewiesen, die nicht mehr allein zurechtkommen. ¸¸Viele Probleme spitzen sich zu, weil das soziale Netz immer durch- lässiger wird - das stellt uns vor fast unlösbare Probleme", sagte sie.

EBERHARDTJOE

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung - Stadtausgabe, Freitag,07. September 2007 Seite 9
Ausgabe: Nr.207


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