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Strafen schrecken junge Hirne nicht
08.10.2007
 
Südwestdeutsche Ztg.

¸¸Strafen schrecken junge Hirne nicht"
Ulmer Forscher wollen klären, warum drohende Saktionen Jugendliche weniger hemmen

ULM. Drohende Strafen könnten auf Jugendliche weniger abschreckend wirken als auf Erwachsene, weil sich die strafempfindlichen Regionen im Gehirn erst spät voll entwickeln. Darauf haben Forscher aus Ulm und Zürich in einer Studie hingewiesen.

Von Frank van Bebber

Wissenschaftler der Universitäten Ulm und Zürich hatten im Experiment festgestellt, dass eine drohende Strafe für unfaires Verhalten das Frontalhirn aktiviert. Den Ergebnissen ihrer kürzlich vorgestellten Studie zufolge rege eine zu erwartende Strafe jene Region im Gehirn an, die vermutlich für das Unterdrücken egoistischer Impulse zuständig ist. Eben diese Regionen entwickelten sich aber erst beim Übergang zum Erwachsenen vollständig, erläuterten die Forscher ihre Ergebnisse. Sie folgern darum: ¸¸Dies könnte erklären, weshalb Jugendliche sich durch drohende Strafen oft erstaunlich wenig abschrecken lassen." Der Ulmer Professor für Psychiatrie, Manfred Spitzer, sprach von einer gesellschaftlich hochrelevanten Fragestellung. Für die Studie hatten er und ein Schweizer Kollege Versuchspersonen einen Geldbetrag mit jemandem teilen lassen. Einmal drohte für das Übervorteilen des anderen eine Strafe, einmal nicht. Dabei untersuchten die Forscher die Reaktionen des Gehirns. Am aktivsten reagierten die entsprechenden Hirnteile bei jenen Teilnehmern, die sich ohne drohende Strafe sehr unfair verhielten und sich durch sie eines Besseren besannen. Bei ihnen hatte die Strafandrohung die Hirnregionen besonders angeregt. Die Wissen- schaftler fassen ihre Ergebnisse so zusammen: ¸¸Drohende Strafe bremst egoistisches Handeln."

Umgekehrt nehme egoistisches Handeln bei mangelnder Aktivität der beobachteten Gehirnbe- reiche zu, etwa wenn diese geschädigt seien. Bei Jugendlichen seien sie noch nicht ganz entwickelt, sagen die Forscher.

¸¸Die Untersuchung liefert Hinweise für neurobio- logische Ursachen antisozialer Persönlichkeits- störungen", erklärte die Universität Zürich die Ergebnisse. Autor der in der Zeitschrift ¸¸Neuron" veröffentlichten Studie ist die Forschergruppe Spitzers und jene des Wirtschaftsforschers Ernst Fehr, der Direktor des Forschungsschwerpunkts Grundlagen des menschlichen Sozialverhaltens der Universität Zürich. Fehr sagte zu der Studie: ¸¸Dieses Resultat erweitert und bestätigt frühere Befunde von uns." Schon frühere Forschungser- gebnisse hätten gezeigt, dass eher egoistische Entscheidungen fielen, wenn diese Gehirnregion in ihrer Aktivität gehemmt würden.

NEDELE
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung - Stadtausgabe, Montag,08. Oktober 2007 Seite 9
Ausgabe: Nr.232



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