NEWS

Weniger Jugendliche vor dem Richter
31.08.2007
 
Südwestdeutsche Ztg.

Weniger Jugendliche vor dem Richter
Gewaltbereitschaft nimmt seit Jahren zu - Anteil der Ausländer an den Verurteilten rückläufig

STUTTGART. ¸¸Wir brauchen uns vor unseren Kindern nicht zu fürchten". So kommentiert der Justizminister Ulrich Goll die Statistik der Strafver- folgung. 2006 hat es erheblich weniger gerichtlich Belangte gegeben, auch weniger Jugendliche und Ausländer.

Von Thomas Breining

¸¸Erfreulich deutlich" sei der Rückgang von Verurteilungen junger Menschen ausgefallen, sagt der Justizminister Ulrich Goll (FDP). 143 400 Menschen haben es im vergangenen Jahr mit der Justiz zu tun bekommen, bei 121 800 war es nicht mit einem Strafbefehl getan; vielmehr gab es eine Gerichtsverhandlung, die mit einer Verurteilung endete. Das waren 2900 oder 2,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Unter den Verurteilten waren 8700 Jugendliche, also 14- bis unter 18-Jährige, und 13 300 Heranwachsende, also 18- bis unter 21-Jährige. Das waren sechs und 4,5 Prozent weniger als 2005.

Die meisten Verurteilungen gegen junge Menschen würden ¸¸wegen einfachen Diebstahls und Straßenverkehrsdelikten und nicht wegen brutaler Gewalttaten ausgesprochen", sagte Goll. Es sei also ¸¸völlig falsch" zu behaupten, die Jugendkrimina- lität wachse immer mehr an. Genauso falsch sei es aber, sich zurückzulehnen. Die Zahlen bewegten sich ¸¸im üblichen Schwankungsbereich". ¸¸Wir nehmen die Gewaltbereitschaft bei den Jugend- lichen ernst", erklärte Goll.

Das hat einen Grund: während es weniger Schuldsprüche wegen Diebstahls, Straßenverkehrs- delikten und Drogensachen gab, nahmen Verurtei- lungen wegen Gewalttaten um 2,2 Prozent auf ein neues Maximum von 5300 zu. Diese haben sich damit seit 1997 um 28 Prozent erhöht. Besonders ausgeprägt sei die steigende Gewaltbereitschaft in der Gruppe der Heranwachsenden, erklärte der Vizepräsident des Statistischen Landesamts, Rolf Nicolas. 1200 der deswegen Verurteilten waren heranwachsend, 1400 jugendlich. 75 Prozent aller Gewalttaten sind Körperverletzungen, daneben zählen Mord, Totschlag, Raub oder Sexualstraftaten zu dieser Gruppe.

Die SPD-Opposition sieht das Gegenmittel auf pädagogischem Feld. ¸¸Die Regierung versäumt es seit Jahren, die Entwicklung der Medien pädago- gisch zu begleiten", sagte der innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Reinhold Gall. Auch der Rückzug aus der Schulsozialarbeit wirke sich nachteilig aus.

Etwas anders läuft die Entwicklung bei auslän- dischen Verurteilten. Ihre Zahl sank um 2,8 Prozent auf 31 400. Seit Mitte der neunziger Jahre, sagt Nicolas, entwickle sich die Zahl der verurteilten Ausländer günstiger als die der deutschen Verurteilten. Ihr Anteil an den Verurteilten ist seit 1993 von 36,6 auf 25,8 Prozent zurückgegangen. Dabei sei die Quote der strafmündigen Ausländer an der gesamten Bevölkerung in diesem Zeitraum konstant bei zwölf Prozent geblieben.

Von den 121 800 Schuldsprüchen hatten 73 Prozent (89 400) eine Geldstrafe zur Folge; 17 Prozent (20 500) wurden zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, davon 14 400 auf Bewährung. 6100 Verurteilte mussten also ins Gefängnis, davon 3900 zwischen einem und zwei, 1600 zwischen drei und fünf, nur 300 für mehr als fünf Jahre. 11 900 Verurteilte bekamen Verwarnungen, Jugendarrest oder Erziehungsmaßnahmen auferlegt.

Durch das Projekt ¸¸Schwitzen statt Sitzen" habe man vergangenes Jahr fast 200 000 Hafttage einsparen können. ¸¸Dafür bräuchten wir eine Vollzugsanstalt mit 535 Haftplätzen", sagte Goll. Auf diese Weise habe das Land 1,9 Millionen Euro weniger Kosten gehabt. Dieses Projekt nutzen zu einer Geldstrafe Verurteilte, die diese nicht zahlen können. Sie entgehen der ersatzweise fälligen Haftstrafe, indem sie unentgeltlich gemeinnützige Arbeit leisten. 5600 Personen haben das voriges Jahr getan.

BREINING
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung - Stadtausgabe, Freitag,31. August 2007 Seite 6
Ausgabe: Nr.201


« ZURÜCK
 


08.01.2015 »
Kita-Qualität
Pressemitteilung 08.01.2015  -  Ministerium für Kultus, Jugend und SportSüdwesten an ...

» MEHR
05.12.2014 »
Schule braucht Gemeinschaft
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung, Stadtausgabe (Nr. 281), vom Freitag, 05. Dezember ...

» MEHR