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Handwerk will bessere Bildung
12.04.2008
 
Südwestdeutsche Ztg.

Handwerk will bessere Bildung
Für neunjährige Basisschule

STUTTGART. Einen Hilferuf hat das Handwerk mit seinem Bildungskongress gestartet. Dem Gros der Hauptschulabsolventen fehlten die Grundlagen für eine Lehre, klagte der Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle. Die Schulreformen liefen ins Leere.

Von Renate Allgöwer

In Kindern sei mehr angelegt als die Schule bisher erschließe, findet Claus Munkwitz, der Hauptge- schäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. ¸¸Wir müssen sehen, dass die Chancen ergriffen werden, sonst haben wir im Handwerk keine Chance", verlangte Munkwitz beim Bildungs- kongress des baden-württembergischen Handwerkstags.

Seit Jahren fordert der baden-württembergische Handwerkstag die Einrichtung von neunjährigen Basisschulen, bisher ohne Resonanz. Auch beim Bildungskongress des Handwerks blieb Kultusminis- ter Helmut Rau (CDU) hart. Modellversuche zum gemeinsamen Unterricht von Haupt- und Real- schülern in der fünften und sechsten Klasse Ja, Auflösung der Schularten, Nein. Eine ebenso klare Absage erteilte Rau der Forderung nach Einrichtung einer sechsjährigen Grundschule. Rau bekräftigte seine Auffassung, ¸¸die Strukturdebatte wird langfristig nicht weiterführen, sie muss durch eine Qualitätsdebatte ersetzt werden".

Eine neue Schulqualität führte der Schweizer Pädagoge Peter Fratton am Beispiel des Lernhauses in Romanshorn vor. Lernhäuser statt Schulen, Lernpartner statt Lehrern und Schülern, Lernbegleitung statt Frontalunterricht seien die bestimmenden Faktoren für autonomes Lernen. Schüler wählen in Romanshorn aus, von wem sie sich in welchem Fach beraten lassen. Lehrer weisen sich selbst Kompetenzstufen in einzelnen Fächern zu. Das bedeute intensive Zusammenarbeit zwischen den Lehrern und ganztägige Präsenz an der Schule. Unter dem Kongressmotto ¸¸Schule neu denken" formulierte Fratton vier ¸¸pädagogische Urbitten": bringe mir nichts bei, erkläre mir nicht, erziehe mich nicht, versuch nie, mich zu motivieren.

Wissenschaftliche Unterstützung dafür lieferte der Göttinger Neurologe Gerald Hüther. Das Gehirn sei eigentlich nicht zum Lernen da, sondern zum Problemlösen, legte Hüther dar. Er spricht sich für selbstverantwortetes individualisiertes Lernen aus, und betonte die Rolle der Gefühle beim Lernen. Wer sich an einen Lernstoff erinnere, löse auch das mit gelernte Gefühl wieder aus.

Artikel der Stuttgarter Zeitung-Stadtausgabe, Samstag, 12 April 2008, Seite 8, AusgabeNr. 86

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