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Wirtschaft setzt sich für Ganztagsschule ein
17.11.2008
 
Südwestdeutsche Ztg.

Wirtschaft setzt sich für Ganztagsschule ein
Bernd Bechtold fordert von Landesregierung Konzept über eine zukunftsfähige Schule

STUTTGART (lsw). Die Wirtschaft im Südwesten fordert radikale Bildungsreformen, damit das Land wettbewerbsfähig bleibt. ¸¸Ich würde die Ganztagsschule als Pflicht einführen", sagte der Präsident des Industrie- und Handelskammertags, Bernd Bechtold.

¸¸Es geht mir um das Entzerren des Lernens", sagte der BWIHK-Präsident Bechtold im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Man müsse weg vom immer noch verbreiteten Frontalunterricht und hin zu einer besseren Förderung mit hohem Praxisanteil. ¸¸Wir lehren immer noch wie im Mittelalter", kritisierte Bechtold. Es gebe zu viele junge Menschen, die keinen Schulabschluss haben. ¸¸Das Geld ist zum Fenster herausgeworfen." Das könne sich das Land in Zeiten des Fachkräftemangels nicht leisten.

Ihm sei klar, dass die Umstellung auf Ganztagsbetrieb beim Unterricht nicht von heute auf morgen möglich sei. ¸¸Ich sehe die Forderung nach der Ganztagsschule unabhängig vom System", stellte Bechtold fest. Die CDU-FDP-Landesregierung müsse ein Konzept erarbeiten, wie Schule in Zukunft aussehen soll. Bechtold fordert dringend die Entwicklung neuer Lern- und Unterrichtsformen, Pädagogen müssten Praktika in Betrieben machen und Wirtschaft und Technik mehr Raum in der Schule einnehmen.

Neben der Schulreform sprach sich Bechtold für einen massiven Ausbau der Kleinkindbetreuung in Baden-Württemberg aus. ¸¸Wir müssen Eltern ein Angebot machen, damit sie mindestens ab einem Jahr oder früher ihre Kinder ganztägig in eine Krippe bringen können, um ihrer Arbeit nachgehen zu können." Bechtold hält den Hortausbau für eine ¸¸sehr soziale Maßnahme", um Kindern, die ¸¸bei Chips und Videos ruhig gehalten werden", eine Bildungschance zu geben.

In Baden-Württemberg gehe der Hortausbau ¸¸so gut wie gar nicht voran, wenn man die Notwendigkeit betrachtet", beklagte Bechtold. ¸¸Wir sind weit hinter dem zurück, was wir brauchen." Es müsse für Unternehmen und andere Träger leichter werden, eine Kinderkrippe zu eröffnen. ¸¸Die Vorschriften für einen Kindergarten sind viel zu bürokratisch", sagte der BWIHK-Präsident. Die Firmen seien bereit, sich finanziell zu engagieren. ¸¸Es hängt immer nur an dem staatlichen Zuschuss." Bechtold schlug eine ¸¸völlige Öffnung bei der Verteilung der Gelder" für Krippenplätze vor. ¸¸Wir müssen ein Gutscheinsystem einführen, damit alle Eltern ihre Kinder dort hinbringen können, wo sie es für richtig erachten."
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung - Stadtausgabe, Montag, 17.11.2008, Seite 6, Ausgabenr. 268

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