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Integration ist Aufgabe für alle Schularten
17.10.2009
 
„Integration ist Aufgabe für alle Schularten"

Schulpolitik Grüne wollen behinderte Kinder in Regelschulen aufnehmen. Von Renate Allgöwer


In der riesigen Bildungsoffensive des Landes ist nichts für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern vorgesehen", kritisiert Renate Rastätter, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen. Dabei ist die Integration behinderter Schüler in die Regelschulen eine Forderung der UN-Menschenrechtskommission. Die UN-Konvention gilt in der Bundesrepublik seit März. Sie beinhaltet, dass Menschen mit Behinderungen ein Recht auf einen gleichberechtigten Zugang zu einem inklusiven Bildungssystem haben. Behinderte Kinder haben damit Anspruch auf Unterricht in den Regelschulen mit angemessenen Vorkehrungen für ihre besonderen Bedürfnisse.


Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau (CDU) hatte schon im Mai angekündigt, das Land werde die Sonderschulpflicht abschaffen. Noch hat der eigens eingesetzte Expertenrat „Sonderpädagogische Förderung" keine Empfehlungen ausgesprochen. Die Regierung plant aber, zum Schuljahr 2010/11 neue Wege der Integration zu erproben.


Wenn behinderte Kinder an allgemeinen Schulen unterrichtet werden, müssen die Rahmenbedingungen stimmen, betont Rastätter. Bei mehreren Kindern mit Handicaps in einer Klasse müssten auf jeden Fall zwei Pädagogen in der Gruppe eingesetzt werden, auch müssten die Klassen verkleinert werden. Die Bildungspolitikerin macht im Südwesten einen großen Nachholbedarf aus. In Baden-Württemberg besuchen rund 54 000 Schüler eine Sonderschule, das sind 4,6 Prozent aller Schüler. Damit liegt Baden-Württemberg im Ländervergleich auf dem achten Platz. Wesentlich höher sind die Quoten in allen fünf neuen Bundesländern, vor Baden-Württemberg liegen auch Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Dagegen besuchen in Schleswig-Holstein nur 3,3 Prozent der Schüler eine Sonderschule.


Bis jetzt müssen Eltern im Land oft hart dafür kämpfen, dass ihre behinderten Kinder an Regelschulen aufgenommen werden, sagt Rastätter. Gut funktioniere das Angebot jedoch, wenn Schulen Außenklassen von Sonderschulen gebildet hätten, oder wenn sie an den integrativen Schulentwicklungsprojekten (Isep) beteiligt seien. Die Grünen verlangen, dass der gemeinsame Unterricht nicht mehr nachfrageorientiert angeboten wird, sondern dass eine flächendeckende Struktur aufgebaut wird. Rastätter geht davon aus, dass die Regierung Profilschulen für den inklusiven Unterricht bilden wird. Das sei sinnvoll, reiche aber nicht aus. „Alle Schulen müssen sich mit dem Thema befassen", verlangt Rastätter. Von den 252 Außenklassen im Land sind zurzeit 248 an Grund- oder an Hauptschulen angedockt. Die Integration behinderter Schüler sei aber auch ein Thema für Realschulen und Gymnasien, betont die Grünen-Abgeordnete.


Bisher werden Schüler im Land nur aufgenommen, wenn sie dem Bildungsgang der Schulart folgen können. Hier verlangen die Grünen ein Umdenken. Behinderte Schüler sollten auch dann die Regelschulen besuchen, wenn sie individuelle Bildungsziele erreichen könnten.

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung, Stadtausgabe Nr. 240, Seite 5, Samstag, 17. Oktober 2009


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