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Jahresbericht Jugendkriminalität 2008
11.05.2009
 
Jahresbericht zur Jugendkriminalität
„Bei der Jugendkriminalität konnten wir im vergangenen Jahr rückläufige Zahlen feststellen. Mit dieser positiven Entwicklung dürfen wir uns aber nicht zufrieden geben. Jede Straftat, die von Jugendlichen begangen wird, ist eine zu viel. Vor allem der Kampf gegen die Gewalt ist und bleibt die zentrale Herausforderung für unsere Gesellschaft.“ Das sagte Innenminister Heribert Rech bei der Vorstellung des Jahresberichts 2008 zur Jugendkriminalität und Jugendgefährdung am Donnerstag, 7. Mai 2009, in Stuttgart.

Die Anzahl der Tatverdächtigen unter 21Jahren sei im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent von 71.908 auf 67.800 gesunken. Damit sei auch im Zehnjahresvergleich ein Rückgang um 1,6 Prozent (1999: 68.870) zu verzeichnen. Diese Jungtäter seien 2008 für 97.024 Straftaten verantwortlich gewesen, was einen Anteil von 16,4 Prozent an der Gesamtkriminalität in Baden-Württemberg bedeute.

Die aktuellen Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zeigten, dass sich nach den deutlichen Steigerungen in den 90-er Jahren die Tatverdächtigenzahlen bei den unter 21-Jährigen auf einem hohen Niveau stabilisiert hätten. Bei nahezu allen jugendtypischen Delikten seien im Jahr 2008 besonders beim Diebstahl, bei Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und bei der Gewaltkriminalität rückläufige Zahlen feststellbar. Trotz der positiven Gesamtentwicklung gebe es im Zehnjahresvergleich jedoch auch erhebliche Steigerungen, vor allem bei den Sachbeschädigungen (um 33,3 Prozent), den Körperverletzungen (um 59,4 Prozent) und der Gewaltkriminalität (um 33,4 Prozent). Rückläufig seien in diesem Zeitraum die Diebstahls- und Raubdelikte sowie die Rauschgiftkriminalität gewesen. Auch bei den Opfern von Straftaten sei die Altersgruppe der unter 21-Jährigen überrepräsentiert: Dem Anteil von 21,9 Prozent an der Wohnbevölkerung stehe ein Opferanteil von 33,7 Prozent gegenüber.

„Trotz rückläufiger Zahlen bleibt die Jugendgewalt das bedeutendste Thema im Kampf gegen die Jugendkriminalität. Der leichte Rückgang im vergangenen Jahr ist ein Erfolg unserer vorbeugenden Maßnahmen. Das Gewaltniveau ist aber noch immer viel zu hoch“, sagte Rech. Folgende Entwicklungen seien im Bereich Jugendgewalt festzustellen:

Die Tatverdächtigen bei der Jugendgewalt hätten im Jahr 2008 - dem Trend der Erwachsenengewalt folgend - um 8,7 Prozent von 10.076 auf 9.202 abgenommen. Die so genannte Tatverdächtigenbelastungszahl der Jungtäter sei von 637 auf 585 gesunken. Im Zehnjahresvergleich sei die Jugendgewalt gegenüber 1999 aber immer noch um ein Drittel höher.
Jugendgewalt sei nach wie vor von gruppendynamischen Prozessen geprägt. Bereits 2007 seien Gewalttäter in mehr als jedem zweiten Fall (52,5 Prozent) gemeinschaftlich tätig geworden. Dieser Anteil habe sich im Jahr 2008 nochmals auf 54,9 Prozent erhöht.
Die Anzahl der Tatverdächtigen bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung habe zwar gegenüber 2007 um 7,6 Prozent von 8.801 auf 8.130 abgenommen, sei jedoch in den letzten zehn Jahren um 50,1 Prozent von 5.418 auf 8.130 gestiegen.
Besonders besorgniserregend sei die Tatsache, dass weiterhin rund 30 Prozent der Jungtäter bei der Tat unter Alkoholeinfluss standen. Damit spiele Alkoholkonsum im Zusammenhang mit der Jugendgewalt eine signifikante Rolle.
„Als Hauptproblem wird von den Jugendsachbearbeitern der Polizei ein häufig bedenkenloser Umgang mit Alkohol angesehen“, sagte Rech. Das „Besäufnis am Wochenende“ werde in Jugendkreisen als akzeptiertes und hilfreiches „Abschalten“ nach einer Woche voller Stress in Schule und Beruf angesehen, aber auch als Frustbewältigung. Immer mehr Kinder und Jugendliche würden von der Polizei volltrunken als „Schnapsleichen“ gefunden und müssten medizinisch versorgt werden. Das spiegle sich auch in den Daten des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg wider: Im Jahr 2007 seien in Baden-Württemberg 3.631 Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 19 Jahren aufgrund massiven Alkoholmissbrauchs stationär im Krankenhaus behandelt worden. Seit 2001 habe sich die Anzahl mehr als verdoppelt (2001: 1.769 Fälle). Es sei besonders beunruhigend, dass solche Alkoholexzesse häufig in Pöbeleien, Provokationen und nicht selten in Gewalt umschlagen würden. „Die Gesellschaft darf das nicht einfach so hinnehmen. Gerade das Umfeld von Kindern und Jugendlichen, besonders Eltern und Freunde, aber auch Gewerbetreibende, Gastronomen und Festveranstalter sind in der Pflicht. Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens“, betonte der Innenminister.

Prävention beginne im Kleinen. Wenn betrunkene Kinder und Jugendliche zum alltäglichen Straßenbild gehörten und das von der breiten Öffentlichkeit akzeptiert werde, könne der Staat das alleine nicht ändern. In diesem Zusammenhang sehe die Landesregierung das Gesetz zum Verkaufsverbot von Alkohol zur Nachtzeit von 22 Uhr bis 5 Uhr an Verkaufsstellen als einen wichtigen Baustein zur Abwehr alkoholbeeinflusster Störungen der öffentlichen Sicherheit und zum Schutz vor Gesundheitsgefahren.

Laut Rech geht die Landesregierung schon seit Jahren sehr offensiv gegen das Problem der Jugendgewalt vor. Mit der ressortübergreifenden Konzeption zur Bekämpfung der Jugendkriminalität werde bereits seit dem Jahr 2004 eine behördenübergreifende Vernetzung sowie eine frühzeitige und schnelle Intervention und - wo nötig - eine Sanktionierung praktiziert. Aber auch Meldungen der Polizei an Führerscheinbehörden zur Überprüfung der charakterlichen Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen, die Intensivierung des Jugendschutzes, Schulschwänzerkontrollen und die verstärkte Konzentration auf so genannte Schwellentäter, bei denen seit 2007 analog dem Intensivtäterprogramm vorgegangen werde, seien erfolgreich. Gerade die Entwicklungen beim Intensivtäterprogramm bestätigten das. Derzeit würden 464 so genannte Intensivtäter in diesem Programm betreut. Die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen, die aufgrund einer Vielzahl begangener Straftaten in dieses Programm aufgenommen werde, sinke seit Jahren kontinuierlich (zum Vergleich 2002: 935).

„Unser breit angelegtes Handlungspaket hat sich in der Praxis bewährt. Es wird ständig fortentwickelt, um auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren“, so Rech. Ein Großteil der Kommunen und Landkreise hätte im Schulterschluss mit der Polizei auf die Probleme Jugendgewalt und Alkohol mit vielfältigen Konzepten reagiert, beispielsweise mit zeitlichen und räumlichen Alkoholverkaufsverboten, Hausverboten und Elternbriefen. Daneben gebe es bei vielen Polizeidirektionen Jugendschutzkonzepte und mustergültige Vereinbarungen zwischen Polizei, Kommunen und Festveranstaltern zur Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen. Zudem sei der Präventionspreis 2008 „Lieber cool dabei, statt VOLL daneben“ dem Thema Alkoholmissbrauch gewidmet worden. Dabei hätten sich 212 Kinder und Jugendliche in Videofilmen, Fotomappen, Interviews, Umfragen und Musikbeiträgen intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. Rund 300 Präventionsprojekte zum Thema Jugendgewalt in Baden-Württemberg seien außerdem aktuell in der bundesweiten Präventionsdatenbank PrävIS registriert. Außerdem würden 86 „Kriminalpräventive Modellprojekte“ zu Themen der „Sucht-, Gewalt- und Verkehrsunfallprävention“ und der „Gewaltprävention bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund“ mit einem Gesamtvolumen von rund einer Million Euro von der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert. „Mit diesem Bündel von Projekten und Angeboten setzt die Polizei einen deutlichen Schwerpunkt bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität. Das alles hat mit zu der positiveren Entwicklung im vergangenen Jahr beigetragen“, so der Innenminister.

Zusatzinformationen

Der Jahresbericht 2008 Jugendkriminalität und Jugendgefährdung in Baden-Württemberg ist im Internet auf der Homepage der Polizei Baden-Württemberg zu finden.

Quelle: Innenministerium




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