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Kinder- und Jugendpsychiatrie der Krankenhäuser voll ausgelastet
12.01.2009
 
Kinder- und Jugendpsychiatrie der Krankenhäuser voll ausgelastet
Im Jahr 2007 mehr Behandlungsfälle bei unveränderter Bettenzahl

Die Krankenhäuser des Landes mit einem Fachbereich Kinder- und Jugendpsychiatrie- und –psychotherapie verzeichneten im Jahr 2007 erneut einen Anstieg der vollstationären Behandlungsfälle. Wie das Statistische Landesamt feststellte, stieg die Zahl der in diesem Bereich untergebrachten Kinder oder Jugendlichen binnen Jahresfrist um rund 200 auf gut 4 290. Dieser Zunahme um knapp 5 Prozent standen mit 494 etwas weniger Betten zur Verfügung als im Vorjahr. Obwohl die Aufenthaltsdauer der Kinder und Jugendlichen in diesen Einrichtungen mit durchschnittlich 40,8 Tagen wie auch schon in den vorangegangenen Jahren rückläufig blieb, reichte diese Reduzierung der Aufenthaltsdauer nicht aus, die vorhandenen Bettenkapazität zu entlasten. So wurde in diesem Behandlungsbereich mit einer Belegung von 97,2 Prozent der vorhandenen Betten der bislang höchste Auslastungsgrad registriert.

Während alle vollstationären Krankenhausbehandlungen zusammengenommen im Durchschnitt nur noch 8,3 Krankenhaustage beanspruchen, verursachen psychiatrische Diagnosen ungleich längere Krankenhausaufenthalte. Dennoch ist es gelungen, die Dauer der vollstationären Versorgung seit 1990 um nahezu die Hälfte zu verkürzen. Seinerzeit lag die sogenannte Verweildauer in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bei 78,3 Tagen. Den 1 356 Patienten standen 365 Betten zur Verfügung, was einem Auslastungsgrad von 81,7 Prozent entspricht. Seither nimmt die Zahl der Behandlungsfälle jährlich in der Regel um rund 200 Fälle zu. Dagegen war in den 90er-Jahren keine nennenswerte Veränderung bei der Anzahl der zur Verfügung stehenden Betten zu beobachten. Erst mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts wurde damit begonnen, die vorhandene Kapazität auszubauen.

Rund 41 Prozent der Patienten im Kindes- und Jugendalter, die im Jahr 2007 in der Psychiatrie untergebracht waren, wurden wegen Verhaltens- und Emotionsstörungen behandelt, wovon vor allem die jüngeren von ihnen betroffen sind. Bei gut 18 Prozent lagen neurotische, Belastungsstörungen oder körperliche Beschwerden ohne organische Ursachen vor, und rund 12 Prozent leiden an affektiven Störungen wozu vor allem Depressionen gehören. Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren waren in 7 Prozent der Fälle Ursache für den Krankenhausaufenthalt. 5 bzw. 6 Prozent der Behandlungsfälle führten Schizophrenie und verwandte Erscheinungen sowie Störungen durch psychotrope Substanzen (Alkohol und andere Rausch- und Betäubungsmittel) in die Psychiatrie.

 

Fast 5 000 Kinder, Jugendliche und junge Volljährige mit seelischer Behinderung erhielten Eingliederungshilfe

70 Prozent der Hilfen an die Altersgruppe von sechs bis 15 Jahren

Junge Menschen, die seelisch behindert sind oder von einer solchen Behinderung bedroht sind, haben einen eigenständigen Anspruch auf Eingliederungshilfe nach Paragraph 35a des Sozialgesetzbuches (SGB), Kapitel VIII. Seelisch behindert bedeutet, dass die seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweicht. Hierzu muss eine ärztliche bzw. psychotherapeutische Stellungnahme eingeholt werden. Eingliederungshilfen setzten neben einer (drohenden) seelischen Behinderung zusätzlich voraus, dass ein soziales Integrationsrisiko prognostiziert wird, das die Entwicklung des jungen Menschen, seine Eingliederung in die Gesellschaft und sein Heranwachsen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit nicht unerheblich beeinträchtigen wird.

Nach dem Bedarf im Einzelfall wird die Eingliederungshilfe in ambulanter Form, in Tageseinrichtungen für Kinder, durch geeignete Pflegepersonen und in Einrichtungen über Tag und Nacht sowie in sonstigen Wohnformen geleistet. Dabei ist eine Einbindung der jeweiligen Institution in den normalen Alltag der Betreuung, Förderung und Erziehung bedeutsam und eine gemeinsame Betreuung behinderter und nichtbehinderter Kinder nach Möglichkeit vorzuziehen.

4 997 junge Menschen mit seelischer Behinderung erhielten im Jahr 2007 nach Angaben des Statistischen Landesamtes eine Eingliederungshilfe. 70 Prozent davon waren Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter von 6 bis 15 Jahren, fast 10 Prozent waren 18 Jahre und älter. 71 Prozent waren männlich. Bei 54 Prozent der jungen Menschen lebten die Eltern zusammen, bei 32 Prozent lebte ein Elternteil allein. Bei 13 Prozent lebte ein Elternteil mit einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin zusammen und in Einzelfällen (1 Prozent ) waren die Eltern verstorben oder die Situation unbekannt. Mindestens einen Elternteil ausländischer Herkunft hatten 20 Prozent der Hilfeempfänger. 9 von 10 Maßnahmen wurden von freien Trägern der Jugendhilfe durchgeführt. 84 Prozent wurden in Einrichtungen über Tag und Nacht sowie in sonstigen Wohnformen geleistet, 10 Prozent in Kindertageseinrichtungen. Nur 6 Prozent der Hilfen wurden ambulant oder durch geeignete Pflegepersonen durchgeführt. Im Jahr 2007 wurden nach einer Dauer von durchschnittlich 23 Monaten 1 356 Eingliederungshilfen nach Paragraph 35a SGB VIII beendet. 

Projekt "Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Problemen im Schulalltag" vorgestellt
29.01.2009 "Es ist entscheidend, psychischen Problemen und Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig vorzubeugen. Wir wollen die Lehrkräfte in Baden-Württemberg im Umgang mit Schülerinnen und Schülern und bei der Vernetzung mit Experten aus der Medizin unterstützen", sagte Kultusstaatssekretär Georg Wacker MdL heute (29. Januar) auf einer Pressekonferenz in der Gewerblichen Schule im Hoppenlau in Stuttgart.

Zielgruppe: Lehrer, Mediziner und Therapeuten
Gemeinsam mit Heinz Kaltenbach, Stellvertreter des Vorstandes des Betriebskrankenkassen Landesverbandes Baden-Württemberg (BKK), stellte Schirmherr Georg Wacker das neue Projekt "Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Problemen im Schulalltag" vor. Es beinhaltet drei ganztägige Symposien in Mannheim, Freiburg und Ulm. Zielgruppe der Veranstaltungen sind Lehrkräfte weiterführender Schulen, Mediziner und Therapeuten. "Damit wollen wir beginnen, einen schon lange beklagten Missstand auszuräumen: Nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer und Eltern sollen sich nicht alleine gelassen fühlen und schnell und unbürokratisch Hilfe erlangen", sagte Kaltenbach.

Kooperation zwischen Kultusministerium, Sozialministerium und BKK Landesverband Baden-Württemberg
Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Kultusministerium, dem Ministerium für Arbeit und Soziales und dem BKK Landesverband Baden-Württemberg. Das Programm der Symposien besteht jeweils aus einem Impulsreferat von Experten der Region sowie vertiefenden Workshops zu den Themen Angststörungen, Depression, Selbstverletzung und schizophrene Erkrankungen. Schulen sollen die Möglichkeit haben, sich direkt mit den regionalen Beratungsstellen und niedergelassenen Medizinern zu vernetzen. Fragen nach der Früherkennung psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen, nach dem Stand der Forschung und den Behandlungsmöglichkeiten oder nach regionalen Hilfsangeboten sollen auf den Symposien behandelt werden.

Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu
Insgesamt nehmen psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu. In der KIGGS-Studie (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey) des Robert-Koch-Instituts wurden im Zeitraum von 2003 bis 2006 Daten zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 16 Jahren erhoben. Danach lassen sich 11,5 Prozent der Mädchen und 17,8 Prozent der Jungen als verhaltensauffällig einstufen. Emotionale Probleme traten bei 9,7 Prozent der Mädchen und 8,6 Prozent der Jungen auf.

Quelle: Kultusministerium





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