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GEW: Grundschule nicht abhängen
08.02.2010
 
GEW: Grundschule nicht abhängen
Lehrerausbildung Eltern und Pädagogen wollen längere Studienzeiten für künftige Grundschullehrer durchsetzen. Von Renate Allgöwer

Die Auseinandersetzung um die Neuregelung der Lehrerausbildung steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Die Hinweise verdichten sich, dass die Studienzeiten festgezurrt werden, wenn Stefan Mappus als Ministerpräsident inthronisiert ist. Eigentlich sollten die Lehrämter schon zum Wintersemester 2010 neu geregelt werden. Jetzt hoffen die Experten, dass es zum Herbst 2011 reicht.

Gestern haben die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Landeselternbeirat (LEB) sowie der Grundschulverband erneut gefordert, dass zukünftige Grundschullehrer wie die Lehramtsanwärter für Haupt- und Realschulen acht Semester studieren sollen. Bis jetzt will die CDU-FDP-Regierung Grundschullehrern nach der Neuordnung sieben statt bisher sechs Semester Zeit für die Ausbildung zu lassen.

Das reicht auf keinen Fall, betonte Erika Brinkmann vom Grundschulverband. Die Professorin bildet an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd Deutschlehrer aus. Andere Bundesländer hätten das Lehramtsstudium bereits auf acht bis zehn Semester umgestellt, sagte Brinkmann. Sie verlangt für die Grundschulen professionell ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. „In der Grundschule wird das Fundament für alle weitere Bildung gelegt", das „Kinderland Baden-Württemberg" sollte dem Stellenwert der Bildung für seine Grundschulkinder keinen geringeren Wert beimessen, sagte Brinkmann. Schon jetzt würden Grundschullehrer ihre Prüfung erst im siebten Semester ablegen. Der Vorschlag der Regierung wäre keine Verbesserung. „Wir brauchen für alle Gebiete mehr Zeit", erklärte die Professorin. Die Bandbreite der Grundschulkinder sei sehr groß. Manche könnten schon gut lesen, wenn sie in die Schule kämen, andere verstünden kaum Deutsch. Das verlangt individuelle Betreuung. Von den Lehrkräften wird erwartet, dass sie besser als bisher erkennen, welche Kinder wie gefördert werden müssen. Erika Brinkmann hofft, dass sich auch Männer für das Grundschullehramt interessieren, wenn das Studium länger dauert und anspruchsvoller wird.

„Wir dürfen nicht die Kostenfrage über die Lehrerausbildung stellen", warnte Christiane Staab, die noch amtierende LEB-Vorsitzende. Es dürfe nicht sein, dass Grundschullehrer nicht ausreichend lange studieren könnten, nur weil das Land ihnen niedrigere Gehälter zahlen wolle. „Wir müssen das Geld da einsetzen, wo es am meisten Gewinn bringt", fordert Staab, das sei die Grundschule. Die Anforderungen an die Grundschullehrer hätten sich sehr geändert, die Aufgaben seien vielfältiger geworden. Staab nannte die Vermittlung von Medienkompetenz, fächerübergreifenden Unterricht und die Elternarbeit.

Doro Moritz, die Landesvorsitzende der GEW, hob hervor, „nur an der Grundschule unterrichten Lehrer fast alle Fächer". Die Ausbildung müsse anspruchsvoll sein, „damit wir die richtigen Studierenden gewinnen". Am Anfang würden die entscheidenden Grundlagen gelegt, „deshalb brauchen wir die beste Ausbildung, um die besten Abiturienten zu gewinnen". Es dürfe nicht der Grundsatz gelten, je jünger die Kinder, desto kürzer die Ausbildung und desto schlechter die Bezahlung der Pädagogen.

Für ein achtsemestriges Grundschullehramt haben sich neben SPD, Grünen und FDP auch die Bildungspolitiker der CDU-Fraktion ausgesprochen. Kultusminister Helmut Rau (CDU) erklärte gestern: „Die Beratungen zwischen den Regierungsfraktionen und der Landesregierung sind noch nicht abgeschlossen." Im neuen Studiengang seien die Schwerpunkte Diagnostik, individuelle Förderung und präventives Handeln vorgesehen.

ALLGÖWER
© 2010 Stuttgarter Zeitung
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung
Stadtausgabe (Nr. 27)
vom Mittwoch, den 03. Februar 2010, Seite Nr. 7


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