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Lob für Projekt Schulreife
12.06.2010
 
Lob für Projekt Schulreife

Kindergärten Die Kultusministerin kündigt für den Herbst ein Gesamtkonzept zur frühkindlichen Bildung an. Von Renate Allgöwer

Die Förderung durch das Projekt schulreifes Kind wirkt. Das ist die vorläufige Erkenntnis der Wissenschaftler, die das Projekt seit 2008 begleiten. Zwar erreichen die Kinder, die gefördert werden, am Ende der Kindergartenzeit nicht die gleichen Fähigkeiten wie die Buben und Mädchen, bei denen kein Förderbedarf festgestellt wurde, aber immerhin werde die Kluft verkleinert, erklärte Marcus Hasselhorn vor 700 Teilnehmern beim Kongress zum Projekt Schulreifes Kind in Stuttgart. Hasselhorn ist Professor für Psychologie beim Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt. Bei Vorläuferfertigkeiten, die das Rechnen in den Grundschule erleichtern, kommen die Geförderten sogar auf das Durchschnittsniveau.

Das ist für Hasselhorn das am meisten überraschende Ergebnis. Im Bereich des Wortschatzes hat sich die Entwicklung erheblich beschleunigt, am meisten profitierten Kinder, deren Erzieher ein wissenschaftliches Coaching genossen hatten. Der Psychologe fordert, dass in Kindergärten Supervision eingeführt werden sollte. Das hätte laut Hasselhorn nur Vorteile: „Die Erwachsenen fühlen sich wohler, die Förderungen werden wirkungsvoller."

Die Wissenschaftler haben 900 Kinder an 31 Standorten seit Februar 2008 untersucht. Einmal vor Beginn der Förderung, dann sechs Wochen nach der ersten Förderung und erneut im Juni/Juli 2009, am Ende der Kindergartenzeit der Kinder. Ob sich die Förderung in Schulerfolg ummünzen lässt, wird die nächste Untersuchung am Ende der ersten Klasse zeigen.

Anders als für Günther Oettinger (CDU) den damaligen Ministerpräsidenten und Initiator des Projekts steht das Fitmachen für die Schule für Kultusministerin Marion Schick (CDU) nicht im Vordergrund. „Wir sind dazu da, die kleinen Menschlein stark zu machen, nicht um sie fit zu machen." Schick bekannte sich deutlich zur frühen Kindheit als Bildungsphase. Das bedeute aber nicht eine weitere Vorbereitung zur Qualifizierung oder ein „Hintrimmen auf bestimmte Schulabschlüsse".

Bildung definierte Schick als „Fähigkeit das Leben als glücklicher Mensch zu gestalten". Sie erntete damit viel Zustimmung im Publikum. Sie betonte auch, die Erzieherinnen seien nur ein Teil des Systems, „bei allem Engagement ist das Ziel nicht ohne die Elternhäuser zu erreichen". Die Erzieherinnen selbst wünschen, dass die Eltern stärker eingebunden werden. Sie erwarten auch, dass die Schuleingangsuntersuchungen, bei denen der Förderbedarf festgestellt wird, möglichst frühzeitig erfolgen. Das Projekt schulreifes Kind wird zurzeit an 592 Kindergärten und 265 Grundschulen erprobt. Es läuft seit 2006 und soll Kinder ein Jahr vor der Einschulung gezielt unterstützen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie im Kindergarten oder in der Grundschule, ob sie täglich oder einmal in der Woche gefördert werden, haben die Wissenschaftler festgestellt.

Angesichts zahlreicher unterschiedlicher Förderkonzepte strebt die Kultusministerin jetzt eine Bündelung an. Im Oktober oder November soll Baden-Württemberg als erstes Bundesland ein Gesamtkonzept zur frühkindlichen Bildung vorlegen.

ALLGÖWER
 
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung
Stadtausgabe (Nr. 132)
vom Samstag, den 12. Juni 2010, Seite Nr. 5


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