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Studie:Die Eltern vererben den Schulerfolg
12.10.2011
 
Bildung Allensbach macht bei Eltern Ehrgeiz, aber auch Unsicherheit aus. Ihr Ruf nach dem Staat wird lauter. Von Thomas Maron


Eltern sind der prägendste Faktor in der Entwicklung eines Kinder. In kaum einem anderen Land hängt der Erfolg einer schulischen Laufbahn so stark vom Bildungsstand der Eltern ab wie in der Bundesrepublik. Schullaufbahnen werden hier regelrecht vererbt. Das zeigt auch eine neue Untersuchung des Allensbach-Instituts. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder von Eltern mit höherer Schulbildung zu mehr als drei Vierteln (77 Prozent) ein Gymnasium besuchen. Bei Eltern mit einfacher Schulbildung sind das nur 29 Prozent. Die Institutschefin Renate Köcher nannte dies bei der Vorstellung der Studie extrem unbefriedigend, „weil es ganz klar ist, dass Unterschichtenkinder geringere Chancen haben und es dem Schulsystem nicht gelingt, das auszugleichen”.

Um dieses Phänomen besser verstehen zu können, haben die Meinungsforscher von Allensbach im Auftrag der Vodafone-Stiftung 1250 Eltern nach ihren Erwartungen an das Bildungssystem befragt. Einen Schwerpunkt legten die Forscher dabei auf türkischstämmige Eltern. Die Ergebnisse zeigen, dass Eltern in Deutschland mit ihren Kindern durchaus ehrgeizige Ziele verfolgen. 94 Prozent von ihnen verbinden mit guter Bildung bessere Chancen im Beruf. 66 Prozent wünschen sich, dass ihr Kind das Abitur macht. Die soziale Kluft ist hier allerdings besonders groß. Der Wunsch nach dem Abitur ist bei Eltern aus höheren sozialen Schichten mit 91 Prozent mehr als doppelt so stark ausgeprägt wie bei sozial schwächeren Eltern. Nur drei Prozent geben die Hauptschule als Bildungseinrichtung ihrer Wahl an.

Der Wert von Bildung ist zwar unbestritten, was aber genau darunter zu verstehen ist, unterscheidet sich nach sozialer Herkunft. Bessergestellte Eltern legen größeren Wert etwa auf Fremdsprachen und Lesekompetenz. Sozial schwächere Eltern schätzen die Bedeutung von Computerfertigkeiten und das handwerkliche Geschick deutlich höher ein. Eltern fühlen sich zudem häufig überfordert, den Kindern aus eigener Kraft die nötige Unterstützung zu gewähren. Deshalb wünschen sich deutschlandweit immerhin 40 Prozent mehr Unterstützung durch den Staat. Stark ausgeprägt ist dieser Wunsch bei ostdeutschen Eltern (50 Prozent) und bei türkischstämmigen Eltern (59 Prozent) sowie bei Eltern aus unteren sozialen Schichten (49 Prozent).

Die Befragung von rund 200 türkischstämmigen Eltern ergab ferner, dass sehr viele ihre Kinder in deutschen Schulen benachteiligt sehen. 59 Prozent glauben, dass ihre Kinder nicht die gleichen Chancen haben wie deutsche Mitschüler. Gut die Hälfte ist davon überzeugt, dass ihr Nachwuchs bei gleicher Leistung in der Schule schlechter bewertet werde. 63 Prozent beklagen zudem, dass Lehrer Vorurteile hätten. Allerdings räumen auch 63 Prozent selbstkritisch ein, dass mangelnde Deutschkenntnisse der Kinder ein wesentlicher Grund für die im Durchschnitt schlechteren Schulergebnisse türkischstämmiger Kinder seien.

Auch wenn der Ruf nach staatlicher Unterstützung bei türkischstämmigen Eltern besonders groß ist, so ist laut der Umfrage doch auch deren Bereitschaft, sich persönlich für das Fortkommen der Kinder zu engagieren, überdurchschnittlich hoch. Fast zwei Drittel der türkischstämmigen Eltern helfen bei den Hausaufgaben. Allerdings geben auch überdurchschnittlich viele dieser Eltern (48 Prozent) zu, damit überfordert zu sein.
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung
Stadtausgabe (Nr. 236)
vom Mittwoch, den 12. Oktober 2011,
Seite Nr. 4
MARON





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