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Die Grundschule bekommt beste Noten
04.08.2011
 
Unterricht Im Bildungsbericht wird den Schulen überwiegend ein gutes Zeugnis ausgestellt. Es gibt aber Unterschiede. Von Thomas Breining

Fremdevaluation heißt das geheimnisvolle Wort. Dahinter verbirgt sich, dass das Landesinstitut für Schulentwicklung in den Schuljahren 2008/09 und 2009/10 in 470 allgemeinbildende Schulen gegangen ist und anhand eines Katalogs von Merkmalen die Unterrichtsqualität ausgelotet hat. Je nach Größe bekam eine Schule Besuch eines zwei- bis vierköpfigen Evaluationsteams von eigens für diese Tätigkeit abgeordneten Lehrkräften.

163 Grundschulen suchten diese Teams auf, 156 Grund- und Hauptschulen sowie Werkrealschulen, 57 Realschulen, 59 Gymnasien und 35 Sonderschulen. Die Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) bewertet die zu Tage gebrachten Ergebnisse „sehr positiv”.

Merkmale wie „Aktivierung der Schülerinnen und Schüler” oder „Förderung methodischer Kompetenzen” seien über alle Schularten hinweg gut bewertet worden. Drei Möglichkeiten hatten die Gutachter: Sie stellen entweder eine „ausgezeichnete Praxis” fest, eine „gute Praxis” oder aber eine „noch zu entwickelnde Praxis”. Auch der „Kommunikationsstil im Unterricht” oder die „Förderung sozialer und personaler Kompetenzen” gelinge ganz ordentlich, heißt es in dem jetzt vorgestellten Bericht.

Allerdings haben die Fachleute vom Landesinstitut auch erhebliche Unterschiede festgestellt. So können Grundschulen zum Beispiel sehr gut damit umgehen, dass Kinder eben verschieden sind - auf diese Tatsache verweisen vor allem konservative Bildungspolitiker bei ihrem Plädoyer für ein der Vielfalt gemäßes Schulsystem. „Ein anderes Bild ergibt sich bei den Realschulen und Gymnasien”, halten die Evaluierer fest. Knapp jede zweite Realschule und mehr als die Hälfte der Gymnasien könnten auf die Verschiedenartigkeit ihrer Klientel nicht gut eingehen.

Generell fällt auf, dass von zehn in dem Bericht wiedergegebenen Qualitätsprüfsteinen das Gymnasium bei sieben am schlechtesten abschneidet. In keinem ist es die beste Schulart. Vielmehr schneiden die Sonderschulen bei sechs Kriterien am besten ab, die Grundschulen bei vier. Unterm Strich freilich ist die Unterrichtsqualität in allen Schularten überwiegend gut oder gar ausgezeichnet.

Ausreißer ist neben den erwähnten Differenzierungsangeboten die „Abgestimmtheit der Kriterien für die Leistungsmessung” - beachtlich angesichts der Bedeutung von Noten und Zeugnissen. An Realschulen fehlt es bei 75 Prozent der begutachteten Häuser daran, dass die Kollegen untereinander abstimmen, nach welchen Kriterien sie die Leistungen ihrer Schüler beurteilen wollen. Bei Gymnasien ist das sogar zu 86 Prozent so.

So recht erklären, woher diese Unterschiede zwischen den Schularten rühren, können die Schulentwickler nicht. Da bildeten sich die unterschiedlichen Schul- und Unterrichtstraditionen oder auch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Schularten ab, sagte die Direktorin des Landesinstituts für Schulentwicklung, Suzan Bacher. Mit Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte möchte die Ministerin die Qualitätsmängel angehen.

Das Schulsystem im Land sei leistungsfähig. Das sagte Gabriele Warminski-Leitheußer. Die Übergänge auf Realschule und Gymnasium stiegen seit Jahren an, die auf die Hauptschule sinken. Man wisse nun aber auch „wo wir noch besser werden müssen”. Die Ministerin zielt in erster Linie auf die frühkindliche Bildung ab, die „Sprachförderung im Elementarbereich”. Hier sei man im Gespräch mit den Kommunen, in deren Aufgabenbereich Kinderkrippen und -gärten liegen. Letztlich kommt es dabei aber auf die Finanzlage an. BREINING

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung
Stadtausgabe (Nr. 178)
vom Donnerstag, den 04. August 2011, Seite Nr. 5


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