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Geburtenrate in BW stagniert
18.02.2014
 
Stuttgart, 18. Februar 2014 – Nr. 54/2014
Geburtenrate in Baden-Württemberg stagniert auf niedrigem Niveau

Durchschnittliche Kinderzahl je Frau war 2012 im Landkreis Tuttlingen am höchsten, im Stadtkreis Heidelberg am niedrigsten

In Baden-Württemberg sind im Jahr 2012 rund 89 500 Kinder geboren worden und damit knapp 700 mehr als 2011. Trotz dieses moderaten Anstiegs war dies die zweitniedrigste Geborenenzahl seit Bestehen des Landes, so das Statistische Landesamt. Zum Vergleich: 1964, dem Jahr mit den meisten Geburten im Südwesten, sind noch 161 000 Kinder zur Welt gekommen.
Die Geburtenrate, also die Kinderzahl je Frau, blieb in den vergangenen Jahren praktisch unverändert: Sie lag im Jahr 2012 wie bereits 2011 bei 1,36 Kindern, 2010 waren es 1,38 und 2009 1,35 Kinder je Frau.1) Aber nicht nur in den letzten Jahren, sondern auch in den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich die Geburtenrate nach Angaben des Statistischen Landesamtes kaum verändert. Allerdings ist seit etwa Ende der 1990er-Jahre ein deutlicher Rückgang der Geburtenzahl zu beobachten, weil seither die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter zurückgegangen ist und aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung künftig auch weiter zurückgehen wird.
Innerhalb des Landes zeigen sich durchaus bemerkenswerte Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit: Spitzenreiter unter den 44 Stadt- und Landkreisen war 2012 der Landkreis Tuttlingen mit einer Geburtenrate von 1,59 Kindern je Frau, gefolgt von den Landkreisen Biberach (1,50) und Sigmaringen sowie dem Ortenaukreis (jeweils 1,49). Am Ende der Rangskala befinden sich die Stadtkreise Heidelberg und Stuttgart mit einer Geburtenrate von 1,06 bzw. 1,18 Kindern je Frau, davor ebenfalls ausschließlich weitere Stadtkreise, nämlich Baden-Baden, Mannheim, Freiburg im Breisgau und Karlsruhe mit Werten von jeweils knapp über 1,2 Kindern je Frau.
Die Gründe für die regionalen Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit sind vielfältig. Auffällig ist noch immer ein traditionelles »Land-Stadt-Gefälle«, das heißt in den meisten ländlich geprägten Gebieten liegt die Kinderzahl je Frau deutlich über der der Städte. In Hochschulstandorten wie Heidelberg ist die Geburtenrate besonders niedrig, weil dort viele jüngere Frauen leben, bei denen Studium und Berufseinstieg im Vordergrund stehen und deshalb (noch) keine Familiengründung geplant ist.
Einen Einfluss auf die Höhe der Geburtenrate dürfte auch der regional unterschiedliche Anteil der ausländischen Frauen besitzen. Zwar hat sich das generative Verhalten der Ausländerinnen im Laufe der Zeit dem der einheimischen Bevölkerung mehr und mehr angenähert. Dennoch liegt die Geburtenhäufigkeit bei ausländischen Müttern immer noch über der der deutschen Mütter in Baden-Württemberg (2012: 1,53 gegenüber 1,33 Kindern je Frau).
Die regionalen Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit haben sich allerdings in den letzten Jahren deutlich abgeschwächt: So betrug im Jahr 2000 der Unterschied zwischen dem Kreis mit der geringsten und dem mit der höchsten Kinderzahl je Frau – bereits damals waren dies Heidelberg und der Landkreis Tuttlingen – immerhin noch fast ein Kind je Frau. Bis heute hat sich diese Spannweite nahezu halbiert. Diese Verringerung der regionalen Unterschiede kann als Angleichung der Lebensstile insbesondere zwischen Stadt und Land interpretiert werden – wohl auch bedingt durch die starken Umzugsaktivitäten der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten.2)
1) Zur Bestandserhaltung der Bevölkerung wäre eine Geburtenrate von 2,1 Kindern je Frau notwendig; dieser Wert wurde in Baden-Württemberg letztmals im Jahr 1970 erreicht.
2) In den letzten Jahren gab es in Baden-Württemberg jeweils über 900 000 Umzüge von einer Gemeinde in eine andere des Landes oder über die Landesgrenze hinweg. Damit ist rein rechnerisch innerhalb eines Jahres jeder zwölfte Einwohner des Landes einmal in eine andere Gemeinde umgezogen.



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