Vorgehensweise /
Auftragsbearbeitung für stationären Hilfen

 

Aufnahmeverfahren
Wenn wir eine Aufnahmeanfrage vom Jugendamt bekommen, prüfen wir zunächst gemeinsam mit allen Beteiligten (Kind/Jugendliche/r, Familie, Jugendamt, Einrichtung, eventuell weitere, beispielsweise Schule) in jedem Einzelfall, ob wir eine Aufnahme in unsere Einrichtung für sinnvoll erachten, d h. ob wir nach unserem Wissensstand annehmen können, dass die zu diesem Zeitpunkt formulierten Ziele in unserer Einrichtung erreicht werden können. Um zu einer solchen Einschätzung zu gelangen, begeben wir uns in den Austausch mit allen oben genannten Beteiligten. Nach einer ersten Abklärung erfolgt ein Kennlerntreffen mit dem Kind oder der/dem Jugendlichen, mit der Familie, einer/einem MitarbeiterIn des Jugendamtes und MitarbeiterInnen unserer Einrichtung. In diesem Gespräch können sich alle Beteiligten (sofern nicht schon bekannt) persönlich kennen lernen. Ungeklärte Fragen können beantwortet werden, etwaige Erwartungen, Hoffnungen, Ängste und Unsicherheiten können an dieser Stelle bereits angesprochen werden. Das Kind/die/der Jugendliche und die Familie haben die Möglichkeit, sich einen ersten Eindruck der Einrichtung zu verschaffen. Im Anschluss an das Gespräch entscheiden alle Beteiligten, ob eine Aufnahme in die Wohngruppe GEKo stattfinden soll.

Eingewöhnungsphase
Die Kinder und Jugendlichen, die in unsere Einrichtung kommen, sind meist an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie wenig Halt haben. Zusätzlich müssen sie sich jetzt auf eine ganz neue Lebenssituation einstellen. Diese Kinder und Jugendlichen sind in der Regel innerlich sehr aufgewühlt, durcheinander und ungeordnet; ihre bisherigen Normen und Werte, respektive ihre bisherigen „Überlebensstrategien“, sind aus den Fugen geraten. Vieles muss nun neu geordnet werden. Eine für den Betreffenden neue Situation, sich in einer neuen familienähnlichen, heterogenen Gruppe zurecht zu finden. Wir geben den Kindern und Jugendlichen zunächst natürlich den Raum und auch die Freiheit, sich das mögliche neue Zu Hause anzuschauen und auch kennen zu lernen. Die Kinder und Jugendlichen, die in unsere Einrichtung kommen, haben oft emotionale Defizite und bringen viele Enttäuschungen aus ihren bisherigen Beziehungen mit. Zu Beginn halten wir es für das Wichtigste, das Kind/die/den Jugendlichen so anzunehmen wie er/sie in diesem Moment ist. Zunächst muss der junge Mensch die Möglichkeit haben, neues Vertrauen und eine Beziehung zu den anderen Kindern/Jugendlichen und den MitarbeiterInnen aufbauen zu können, ehe Forderungen an ihn/sie gestellt werden. Wie lang diese Eingewöhnungsphase dauert, hängt vom Einzelfall ab. In den regelmäßigen Teamsitzungen wird die Entwicklung besprochen und gemeinsam beurteilt, wie viel dem Neuankömmling im Moment abverlangt werden kann und sollte. Diese Eingewöhnungsphase fordert natürlich auch von den anderen BewohnerInnen großes Verständnis und Toleranz. In dieser Phase sind die Gruppengespräche besonders wichtig. Hier kann mit den Kindern und Jugendlichen besprochen werden, warum vielleicht manche Regeln für „die/den Neuen“ noch nicht so sehr gelten und was die Kinder und Jugendlichen dazu beitragen können, die/den neue/n BewohnerIn in die Gruppe aufzunehmen und zu integrieren.

Natürlich benötigt auch die Familie in dieser ersten Phase eine intensive Betreuung. Die Eltern haben oft mit Schuldgefühlen zu kämpfen, ihr Kind „weggegeben“ zu haben. Sie fühlen sich oft als Versager und „Rabeneltern“. Diese Schuldgefühle können sich noch steigern, wenn die Eltern zugleich eine Entlastung durch das Fehlen des Kindes verspüren. Diese Entlastung, die ja angestrebt wurde, scheint oft unangebracht und wird deshalb nicht zugelassen. In der Arbeit mit den Eltern muss es in dieser Phase vor allem darum gehen, diese Schuldgefühle und widersprechenden Emotionen zulassen zu können. Die Familie braucht Unterstützung darin, diese Entlastung anzunehmen, da sie ja eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit und eine Rückführung in das Elternhaus ist. Wir bemühen uns die Eltern intensiv einzubinden, damit ein Konkurrenzdenken zwischen Heim und Eltern möglichst vermieden wird und eine gute Zusammenarbeit aufgebaut werden kann. Durch Einbeziehung der Eltern in gemeinsame Aktivitäten können sich die diese gemeinsam mit ihrem Kind auch über dessen Entlastung freuen, statt negative Gefühle zu entwickeln.



Alltagsstruktur
Die meisten jungen Menschen, die in unserer stationären Einrichtung aufgenommen werden, suchen einen Halt, Orientierungspunkte in ihrem Leben, die bisher oft unverlässlich oder gar nicht vorhanden waren. Man kann diesen jungen Menschen helfen, indem man ihnen äußere Strukturen bietet, die ihnen als Orientierungshilfe dienen. Dabei gilt es, den ganzen Lebensraum mit einzubeziehen. Der neue Lebens-„raum“ ist das Haus und der Ort, aber auch die neuen Bezugspersonen, die anderen Kinder und der neue Alltag.

 

Der strukturierte Alltag gibt den Kindern und Jugendlichen den Halt sich innerlich neu zu ordnen. Der Gruppenalltag ist für die Jugendlichen auch ein Modell, wie sie selbst ihren Alltag in der Zukunft einmal gestalten können.

Vormittags besuchen die Kinder/Jugendlichen die Schule oder die Ausbildungsstätte. Um 12.00 Uhr gibt es Mittagessen, an dem alle (die nicht länger Unterricht haben) gemeinsam teilnehmen. Nach einer Erholungsphase ist für jene, die keine Mittagsschule haben, von 14.00 bis 16.30 Uhr Lernzeit. Danach können alle an Freizeitangeboten teilnehmen, sich selbstständig Freizeitbeschäftigungen widmen und ihrem Alter entsprechend auch Ausgang nehmen.
Um 18.00 Uhr essen alle gemeinsam zu Abend. Die Älteren können im Anschluss daran noch einmal Ausgang nehmen, auch die Bettgehzeiten sind nach Alter gestaffelt. Die Kinder müssen ihrem Alter entsprechend täglich und wöchentlich gewisse Dienste (z.B. Küchendienste, Kehrdienste, Bad putzen, Kochen etc.) im Haus übernehmen, die in einem Plan festgehalten sind.  Jede Woche findet ein Gruppengespräch statt, an dem alle BewohnerInnen in der Gruppe zur Teilnahme verpflichtet sind. In diesem Gruppengespräch können alle Themen erörtert werden, die für die Kinder wichtig oder interessant sind. Die Kinder und Jugendlichen können Vorschläge und Wünsche einbringen. Außerdem werden geplante Freizeitaktivitäten besprochen, auch hier können und sollen sich alle einbringen.

Freizeitgestaltung innerhalb der Gruppe
Freizeitangebote betrachten wir als sehr wichtigen Bestandteil unserer Arbeit. Hier zeigen sich oft Interessen, Ressourcen, Stärken und Ausdauer, die im Alltag noch nicht in Erschei-nung treten konnten. Gerade mit Kindern und Jugendlichen, die dazu neigen, sich zurück-zuziehen, kommt man hier oft auf einer nonverbalen Ebene in Kontakt und kann erstmalig eine intensive Beziehung aufbauen. Die Kinder und Jugendlichen können sich hier auf einem „ungefährlichen“ Feld erproben, neue Verhaltensweisen ausprobieren und neues Selbstbewusstsein gewinnen. Ihr Ideal- und Realselbst kann sich dadurch wieder mehr angleichen. Außerdem bieten Freizeitangebote die Möglichkeit zu entspannen und Abstand zu dem großen Ballast, den viele BewohnerInnen mit sich tragen, zu bekommen. Ganz automatisch wird im gemeinsamen Tun die Sozialkompetenz der Kinder und Jugendlichen verbessert. Wir bieten in der stationären Gruppe regelmäßig Freizeitangebote an. Mindestens einmal unter der Woche und einmal am Wochenende gibt es ein geplantes Freizeitangebot. Diese Freizeitangebote richten sich in erster Linie nach den Interessen der Kinder und Jugendlichen.

Ferienfreizeiten
Ferienfreizeiten, oft im Ausland, sind ein fester Bestandteil unseres Angebots (mindestens  einmal im Jahr). Die Unterbrechung des Alltags, die neue Umgebung und die neuen   Eindrücke, sowie das Mehr an gemeinsam verbrachter Zeit, intensiviert die Beziehungen und bietet ebenso die Chance, neue Stärken der Kinder und Jugendlichen zu entdecken. Zudem können diese eine andere Kultur, Land, Leute und Sitten kennen lernen.

Feste und Feiern
Feste und gemeinsames Feiern gehören natürlich auch in einem Kinder- und Jugendheim zum Leben dazu. Rituale geben viel Sicherheit und haben einen besonderen Reiz. Wir haben unsere Rituale für Feste wie Weihnachten und Ostern und natürlich feiern wir gemeinsam mit den Kindern ihre Geburtstage und persönliche Festtage. Wir freuen uns, wenn die Eltern, andere Familienmitglieder oder auch FreundInnen den Geburtstag mit den Kindern oder Jugendlichen verbringen wollen.

Verselbstständigung
Für die älteren Jugendlichen, ab 16 Jahren, erarbeiten wir einen individuellen Plan, in dem wir festlegen, wie wir die Verselbstständigung der/des Jugendlichen fördern. In der Verselbstständigungsphase sollen die Jugendlichen mehr und mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen. Die Hilfen sollen in kleinen Schritten immer mehr in Hilfen zur Selbsthilfe übergehen.
Neben den Diensten wie Tischdecken oder Kehrdienst, Tierversorgung die auch schon die Jüngeren übernehmen, bekommen die Jugendlichen zusätzliche Aufgaben. Dazu gehören beispielsweise regelmäßiges Kochen, Einkaufen oder auch Wäsche waschen. Die Jugendlichen werden bei diesen zusätzlichen Diensten zunächst von einer/einem ErzieherIn angeleitet, nach und nach übernehmen sie diese Dienste völlig eigenständig. Auch motivieren wir die Jugendlichen dazu, Arztbesuche, Behördengänge, offizielle Telefonate und ähnliches alleine zu erledigen. Auch dabei gehen wir Schritt für Schritt vor: Zunächst werden die Jugendlichen noch begleitet und dann besprochen, wo Ihre Stärken und ihre Schwierigkeiten bei diesen Gängen liegen. Die schwierigen Punkte werden durch-gesprochen, eventuell kann man Gespräche auch in einem Rollenspiel üben. Nach alleinigen Telefonaten, Ämter- oder Arztbesuchen etc. reflektieren wir mit der/dem Jugendlichen gemeinsam, wie das Ganze abgelaufen ist, was besonders gut geklappt hat, wo (unerwartete) Probleme aufgetaucht sind und was man das nächste Mal noch besser machen könnte. Wir trainieren den Umgang mit Geld z.B. in dem wir mit den Jugendlichen erarbeiten, wie sie sich selbst ihr Taschengeld sinnvoll einteilen können und sie dies dann auch tun. Neben all den lebenspraktischen Aufgaben, die die Jugendlichen nach und nach bewältigen müssen, gibt es in dieser Phase natürlich auch andere wichtige Fragestellungen. Wir helfen den Jugendlichen, eine Lebens- und Zukunftsperspektive zu entwickeln. Dazu gehört die schulische/berufliche Zukunft der jungen Menschen. Hier möchten wir gemeinsam mit den Jugendlichen und unter Einbeziehung der Schule/Ausbildungsstätte eine Zukunftsperspektive entwickeln, die die Wünsche der Jugendlichen weitmöglichst integriert, aber realistisch ist. Der zweite wichtige Punkt ist hier sicher die (Neu-)Gestaltung von Beziehungen. Wie verändern sich die Beziehungen zur Familie mit dem Älterwerden und wie stellen sich die Jugendlichen zukünftige Beziehungen vor? Diese Fragen thematisieren wir mit den Jugendlichen und haben immer ein offenes Ohr für die großen und kleinen Nöte des Erwachsenwerdens. Regelmäßig geben wir den Jugendlichen ein Feedback über die bisherigen Schritte in die Selbstständigkeit und möchten auch von den Jugendlichen hören, wie sie sich dabei fühlen: wo möchten sie schon stärker gefordert werden und wo fühlen sie sich vielleicht überfordert. Auf Grundlage dieser Gespräche modifizieren wir die Schritte zur Verselbstständigung.
Für Jugendliche ab 16 Jahren, die schon sehr große Fortschritte in der Verselbständigungsphase gemacht haben bieten wir zusätzlich innerhalb der Wohngruppe einen gesonderten für sich fast abgeschlossenen Bereich an. In diesem Bereich befindet sich ein separater Wohnraum mit eigener Küche, Bad mit WC und eines separaten Eingangs. Trotzdem befindet sich ein direkter Zugang zur Wohngruppe, sodass eine entsprechende Aufsichtspflicht sichergestellt wird und der Jugendliche jeder Zeit die Möglichkeit hat auf das Fachpersonal in der Gruppe im Bedarfsfall zugreifen zu können.



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