Pädagogische Grundhaltung und
theoretische Grundlagen unserer Arbeit

 

Wir gehen in unserer Arbeit davon aus, dass jeder Mensch nach einer positiven Entwicklung strebt. Manchmal wird diese Entwicklung jedoch erschwert oder blockiert. Wir bemühen uns deshalb in jedem Kind und Jugendlichen die Stärken und Schwächen im Kontext seiner Persönlichkeit, bisherigen Sozialisation und seiner meist einflussreichen aktuellen sozialen Peergroup zu sehen. Unser primäres Augenmerk gilt jedoch den Stärken des jungen Menschen. Wir helfen dem jungen Menschen, seine Ressourcen zu entdecken und sich diese nutzbar zu machen und auszubauen. So kann das Kind/der oder die Jugendliche seine Stärken einsetzen, um sich weiterzuentwickeln und auch Defizite auszugleichen. Indem wir jedes Kind so annehmen wie es ist und ihm Verständnis entgegenbringen, geben wir ihm den Raum seinen individuellen Entwicklungsweg zu finden. Klare Gruppenregeln, transparente Konsequenzen bei Regelverstößen und ein strukturierter Tagesablauf geben den Kindern und Jugendlichen den nötigen Rahmen für diese Entwicklung. Emotionale Nähe, Verständnis und Wertschätzung können nur in positiven Beziehungen vermittelt werden, weshalb wir die Beziehungsarbeit als sehr wichtigen Teil unserer pädagogischen Arbeit begreifen.

Die gleiche Grundhaltung gilt für die Arbeit mit der Herkunftsfamilie. Wir begreifen die Familie als System, bestehend aus einzelnen Individuen. Jedes Familienmitglied bringt seine Individualität, seine Stärken und seine Schwächen ein. Durch die Interaktion der Personen entsteht ein System, das mehr als die Summe seiner Teile ist. Auch dieses System hat spezifische Stärken und Schwächen und seinen eigenen Charakter. In der Elternarbeit gilt es, die Charaktere der Individuen und des Systems kennen zu lernen, um auch hier mit den Stärken dieses Ordnungsprinzips an den Schwächen und Ressourcen  zu arbeiten, so dass der Familienverband so stabilisiert und gefördert wird, dass die familieninternen Kompetenzen gestärkt werden und das Kind/die oder der Jugendliche in seine Familie zurückkehren kann.



Ziele unserer Arbeit
Wir verbinden Alltagserleben, pädagogische Arbeit und therapeutische Angebote und setzen somit den gesetzlichen Auftrag um, der die im Hilfeplan nach § 36 SGB VIII vereinbarten Zielsetzungen verfolgt.

 

Oberstes Bestreben unserer Arbeit ist die Rückführung der Kinder und Jugendlichen in ihr Elternhaus. In den Fällen, in denen eine Rückkehr in die Familie zu diesem Zeitpunkt nicht möglich erscheint, erarbeiten wir mit allen Beteiligten (Kind/Jugendliche/r, Familie, Jugendamt, Einrichtung, TherapeutIn, Schule etc.) eine individuelle Zukunftsperspektive, z.B. in Bezug auf die Verselbstständigung des jungen Menschen. Die Ziele für die Arbeit mit jedem einzelnen Kind/Jugendlichen werden gemeinsam von den oben genannten Beteiligten in Hilfeplangesprächen mit MitarbeiterInnen des Jugendamts und den jeweiligen Sorgeberechtigten festgesetzt.

Solange die Kinder und Jugendlichen in der Wohngruppe GEKo leben ist unsere primäre Intention, sie bei der Bewältigung ihrer Aufgaben zu begleiten, und sie bei der Auseinandersetzung mit  im Hinblick ihrer individuellen Defizite zu Fördern. Störungen und Entwicklungsdefiziten entgegenzusteuern. Zudem ist es uns ein wichtiges Anliegen, die Ressourcen der Herkunftsfamilien zu stärken, unabhängig davon, ob eine Rückkehr in die Familie geplant ist. Des weiteren fördern wir die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, stärken deren Ressourcen und bemühen uns, mit ihnen gemeinsam ihre Ausgangsvoraussetzungen zu verbessern und Lebens- und Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Gleichsam bereiten wir sie aber auch auf mögliche Gefahren  und Verpflichtungen hinsichtlich eines autarken und eigenständigen Leben hin.

Konkret gilt es zunächst, den Alltag des jungen Menschen neu zu strukturieren, kurz- und mittelfristige Perspektiven zu entwickeln und Ressourcen in der Familie, dem Kind und seinem sonstigen Umfeld wahrzunehmen und zu involvieren.

Methodik
Wir arbeiten fachlich korrekt, motiviert und  systemisch-zielorientiert. Aus den oben genannten konkreten Darstellungen und Ausführungen ergibt sich unsere Methodik, mit der wir arbeiten.

Bei all unserer Interventionen steht das Kind als Individuum im Mittelpunkt, das aber untrennbar mit seinen Systemen (der Familie und anderen) verbunden ist. Unsere Arbeit setzt am Kind und am jeweiligen System an.

Wir wollen unsere Arbeit für alle Beteiligten transparent gestalten. Deshalb sprechen wir mit den Kindern/Jugendlichen (altersgemäß), der Familie und den MitarbeiterInnen des Jugend-amtes,  wenn es neue Entwicklungen gibt und natürlich wenn Entscheidungen anstehen.

Im Alltag erleben wir die Stärken und Schwächen der Kinder und Jugendlichen. Durch einen klar strukturierten Alltag und klare Anforderungen an die Kinder und Jugendlichen haben diese täglich ein Trainingsfeld in dem sie kontinuierlich in kleinen Schritten Defizite aufholen und neue Herausforderungen in Angriff nehmen können.

In der Freizeitgestaltung lernt man die Kinder und Jugendlichen oft von einer neuen Seite kennen: hier zeigen sich oft ungeahnte Stärken der Kinder und Jugendlichen und ein Selbstbewusstsein, das im Alltag manchmal sehr schwach ausgebildet scheint. Diese Ebene der Arbeit ist also sehr wichtig, um in Kontakt zu kommen, Beziehungen aufzubauen, aber auch oft ein neuer Weg um Probleme des Selbstbewusstseins, der Eigenwahrnehmung, Probleme im Alltag und Lern-, Motivations- und Leistungsschwierigkeiten von einer neuen Richtung anzugehen.

Partizipation der Bewohner wird in unserem Hause groß geschrieben. Jeder einzelne hat jederzeit die Möglichkeit sich über Beschwerden, Missstände oder auch über Anregungen und Verbesserungsvorschläge mitzuteilen. Diese werden zeitnah wahrgenommen und mit allen Beteiligten synthetisiert und umgesetzt, sofern dies realisierbar ist. Wir arbeiten in der Wohngruppe mit dem BezugsbetreuerInnensystem. Die Kinder und Jugendlichen haben also eine/n feste/n AnsprechpartnerIn. Die Kinder und Jugendlichen haben ein altersgemäßes Mitsprachrecht bei der Wahl der/des BezugsbetreuerIn.

Der Charakter unserer Einrichtung bietet einen idealen Hintergrund für Kinder und Jugendliche, die zur Ruhe kommen müssen und eines geschützten Rahmens bedürfen.

Der ländliche Raum mit seiner ruhigen Umgebung begünstigt ein „Zu-sich-zurückfinden“ der Kinder. Die Überschaubarkeit der Einrichtung mit einer Gruppe und die Lage am Dorfrand von Dischingen bildet einen echten und gefühlten Schutzraum.



Mögliche unangekündigte BesucherInnen bleiben nicht unbemerkt und die Zahl der MitarbeiterInnen ist für die Kinder überschaubar, so dass sie alle bereits nach kurzer Zeit gut kennen. Auf diesem Hintergrund können schnell belastbare Beziehungen zwischen Kindern und MitarbeiterInnen entstehen, die letztlich die Grundlage unserer Arbeit bilden.

 

Die Einrichtung bietet sehr viel Raum, sowohl im Haus, wie auch im Außenbereich. Dies gibt Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihrem Bewegungsdrang nachzugehen, auch wenn sie zu Beginn ihres Heimaufenthaltes die Sicherheit der Einrichtungsgrenze benötigen.

Auf dem Heimgelände leben auch die zur Einrichtung gehörenden Tiere. Im Moment sind dies Hühner, Kaninchen, Enten, Schafe und zwei Wellensittiche. Der Umgang mit den Tieren ist gerade für Kinder und Jugendliche, die häufig von Menschen enttäuscht wurden und oft auch Angst vor Menschen haben, sehr heilsam. Die Tiere bieten die Möglichkeit, eine Vertrauensbeziehung aufzubauen, die vor Enttäuschungen, wie die Kinder sie von Menschen erfahren haben, gefeit ist. Die Tiere bieten lebendige Wärme und Trost. Ihnen kann erzählt werden, was man anderen noch nicht bereit ist, anzuvertrauen. Die Kinder übernehmen Verantwortung für die Tiere, z. B. für das Füttern, das Schließen der Ställe am Abend oder das Reinigen. Dies gibt Ihnen Selbstvertrauen, für viele misshandelte Kinder ist es eine neue Erfahrung, für ein Lebewesen sorgen zu können.

Besonderen Wert legen wir im Umgang mit Kindern und Jugendlichen auf eine klare Alltagsstruktur und verlässliche Regeln. Diese Kinder waren oft der Willkür von Erwachsenen ausgesetzt, die für die Kinder unberechenbar agiert haben. Ein klar strukturierter Rahmen gibt den Kindern Sicherheit und Verlässlichkeit.  Viele unserer BewohnerInnen haben aufgrund ihrer Erfahrungen Schwierigkeiten, ihren eigenen Körper positiv anzunehmen. Um sich selbst zu schützen, haben sie sich oft von ihrem Körper distanziert. Ebenso ist die Psyche in Unordnung geraten. Wir wollen den Kindern Möglichkeiten anbieten, mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen und ihren Körper wieder als etwas zu akzeptieren, was zu ihnen gehört. Wir machen deshalb viele Angebote, die verschiedene Sinne der Kinder und Jugendlichen ansprechen. Dies bietet ihnen die Möglichkeit, positive Erfahrungen mit ihrem Körper und sich selbst zu machen. Im eigenen Tun können außerdem Dinge Ausdruck finden, die die Kinder und Jugendlichen (noch) nicht in Worte kleiden können.

Zu diesem Zweck machen wir Angebote aus dem Bereich der musiktherapeutischen Sozialarbeit, der Rhythmik sowie sonstige Bewegungsangebote. Wir bieten auch Entspannungstraining an, das beispielsweise Element der PME nach Jakobsen, Fantasiereisen, und Entspannungsmethoden aus dem Bereich der rezeptiven Musiktherapie beinhaltet.



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